
Unter dem Titel „Spiel ohne Grenzen“ hat die Deutsche Radio Philharmonie ein Projekt auf den Weg gebracht, in dem Profimusiker über Monate hinweg mit künstlerisch begabten, meist ausländischen, straffällig gewordenen Jugendlichen eine gemeinsame Performance erarbeiten. Zwei musikalische Kosmen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten, werden aufeinander zu steuern, sich treffen, berühren und Neues schaffen: Orchestermusiker der Deutschen Radio Philharmonie und die Jugendliche des Vereins „2. Chance-Saarland“.
Echte Gemeinsamkeiten gibt es zu Beginn kaum: Die ca. zwanzig 14- bis 25-jährigen Jugendlichen des Vereins „2. Chance-Saarland“ sind kulturell mehr oder weniger tief in ihren Ursprungsländern Kurdistan, Irak, Ghana, Kosovo, Rumänien, Syrien, Tansania, Angola usw. verwurzelt. Ihre musikalische Heimat ist Rap, Breakdance, Pop oder HipHop. Tanzen, singen, performen haben sie mit eisernem Willen auf der Straße, in Diskotheken und bei der „2. Chance“ gelernt.
Die Orchestermusiker bringen ihre lange künstlerische Ausbildung mit, Berufserfahrung und Neugierde auf neue Klangerfahrungen. Sie können nur mit Noten spielen, die Jugendlichen nur ohne Noten.
Nach den ersten Kennenlern-Treffen bei einer Orchesterproben im Großen Sendesaal, einem Konzert der Deutschen Radio Philharmonie und einer Performance in der Saarbrücker Garage - ist Allen klar: Wir wollen uns musikalisch austauschen, zusammen Musik machen, tanzen, rappen. Ich will wissen, wie Deine Musik gemacht wird, wie sie entsteht, was Du dabei fühlst und denkst. Deine Musik macht mich neugierig, aber ich will Dir auch meine Musikwelt zeigen.

Ohne „Dolmetscher“ kann dieses Experiment nicht gelingen. Das Liquid Penguin Ensemble, Katharina Bihler und Stefan Scheib, hat sich auf die Vermittlerrolle eingelassen. Seit 1997 arbeiten sie erfolgreich zusammen: Katharina Bihler - Schauspiel, Gesang, Vokalartistik und Stefan Scheib - Kontrabass, Komposition. Sie gehören zu einer jungen Performer-Generation, die neue Musik, neues Hörspiel und neue Medien miteinander verschwistern.
Erste Aufgabe im ersten Workshop: Jeder Teilnehmer spielt, singt, tanzt sein Lieblingsstück. So war es geplant. Doch die ersten Interaktionen ergeben sich sofort: Ein Rapper skandiert Spontantexte zu „Fratres“ - dem Streichquartett von Arvo Pärt, zwei Break-Dancer inspiriert die Bach-Cellosonate und die, „die nur mit Noten spielen können“ fühlen sich bereit zu einer ersten feinen Improvisation. Jetzt sind alle mitten drin, in einem musikalischen Prozess, dessen Ergebnis noch keiner vorhersehen kann. Der Vorhang zur Performance „Spiel ohne Grenzen“ öffnet sich am Samstag, 15. Mai, 2010, 15.00 Uhr, VHS-Zentrum am Schloss Saarbrücken im Rahmen von „Mouvement. Festival für Neue Musik“.
„Spiel ohne Grenzen“ wird gefördert durch das Netzwerk Neue Musik im Rahmen von „strukturwandel – neues hören und sehen“, ein Förderprojekt der Kulturstiftung des Bundes sowie von der Liz-Mohn-Stiftung.