Foto: DRP

Im Süden, am Meer

Anne Dunkel   25.09.2016 | 18:00 Uhr
 (Foto: DRP)


Wir haben das Quartier gewechselt: in einer vierstündigen Busfahrt von Seoul aus ganz in den Süden des Landes, nach Tongyeong. Die Hafenstadt liegt auf einer Halbinsel, hier wurde der koreanische Komponist Isang Yun geboren, die Konzerthalle trägt seinen Namen.


 (Foto: DRP)


Koreanische Busse bestechen durch ihren Komfort: viel Beinfreiheit, stufenlos einstellbare Rücklehnen bis hin zur Schlafposition, ausklappbare Fußbänkchen solide Polsterung.


Der Mann am Fagott


Gemeinsam mit dem Fagottisten Ulrich Rinderle werfen wir einen Blick auf seine 37 Jahre im Dienste des Orchesters – 25 Jahre davon mit besonderer Verantwortung als Orchestervorstand. Wie kein anderer hat er das Orchesterleben der letzten Jahrzehnte mitgestaltet.


 (Foto: Kim)
Ulrich Rinderle im Frackhemd

Anfang Oktober ist Dein letzter Orchesterdienst. Was kommt dann?

Ganz einmotten werde ich mein Fagott nicht. Das ginge auch gar nicht, Bläser müssen langsam abtrainieren, sonst kommt die Quittung in Form von körperlichen Beschwerden – Kreislaufprobleme und solche Sachen. Schüler habe ich schon lange nicht mehr, hier und da werde ich ein paar Mucken machen, den Rest gehe ich entspannt an. Das Meiste lasse ich jetzt einfach auf mich zukommen.

Jetzt also Deine letzte Tournee hier in Südkorea, in welchen anderen Ländern bist Du mit dem Orchester getourt?

 (Foto: Timo Fuchs)

Meine ersten Tourneen gingen nach Amerika – mit einem Konzert unter Hans Zender in der Carnegie Hall! -  und in die Sowjetunion. Im Laufe der Jahre bereisten wir die Schweiz, wir waren in Italien, drei Mal China, drei Mal Japan und jetzt zum dritten Mal Korea. Tourneen sind in vieler Hinsicht eine besondere Herausforderung für Musiker, verschärft natürlich, wenn man auch noch organisatorische Aufgaben wahrzunehmen hat, wie ich damals als Orchestervorstand. Auf der ersten China-Tour gab es noch kein Orchestermanagement im heutigen Sinne. Als Orchestervorstand haben wir auch die Tourpläne mitgestaltet, die Transportlogistik der Instrumente mitgeplant. Auf der Reise selbst gab es dann ständig organisatorische Aufgaben zu erledigen:  „Konzerte retten“ weil Instrumente vom Transport beschädigt waren oder nicht da ankamen wo sie hin sollten; ich erinnere mich an einen Kollegen mit starken Kreislaufproblemen, den ich in ein chinesisches Krankenhaus begleitet habe. Gott sei Dank unterstützt von unserem Solo-Hornisten Xiao-Ming Han. Ohne Sprach- und Schriftkenntnisse wäre das ziemlich unmöglich gewesen.

Wann war deine schönste Zeit im Orchester?

Das waren wahrscheinlich die Achtziger Jahre als Myung Whun-Chung, noch ein ganz junger Mann, Chef beim damaligen Rundfunk-Sinfonieorchester Saarbrücken wurde. Ich habe auch später selten jemanden erlebt, der mich als Musiker im Konzert so inspiriert hat. Das gibt es einfach ganz selten. Auch die letzte Zusammenarbeit mit Chung vor zwei Jahren, als wir mit ihm in Shanghai gastierten, war wieder so ein besonderer Moment für mich. Und die Kammermusik im SR-Holzbläsertrio und Mithras-Oktett mit meinen Orchesterkollegen war toll, auch meine 14 Jahre im Orchester der Bayreuther Festspiele.

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