Sabine Meyer (Foto: Ruvolo)

Sabine Meyer spielt Mozarts Klarinettenkonzert A-Dur

 

Sabine Meyer gehört zu den weltweit renommiertesten Klarinettistinen überhaupt. Unter der Leitung von Pietari Inkinen spielte sie am 21. Februar 2016 an der Seite der Deutschen Radio Philharmonie in der Saarbrücker Congresshalle Mozarts berühmtes Klarinettenkonzert in A-Dur von 1791 und das „Fantasma“ für Klarinette und Orchester von Toru Takemitsu. Außerdem stand Beethovens Sinfonie Nr. 5 in c-moll auf dem Programm. Durch die Sendung führte Roland Kunz.


SR 2 - Die 4. DRP-Matinée mit Sabine Meyer
Audio [SR 2, DRP / SR 2 KulturRadio, 21.02.2016, Länge: 104 Min.]
SR 2 - Die 4. DRP-Matinée mit Sabine Meyer


Man nennt sie „Primadonna assoluta“ – und tatsächlich gehört Sabine Meyer zu den weltweit renommiertesten Solisten überhaupt. Ihr ist es zu verdanken, dass die Klarinette, oft als Soloinstrument unterschätzt, das Konzertpodium zurückerobert hat. Nach Beginn der Orchesterlaufbahn beim Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks und kurzer Zeit als Solo-Klarinettistin bei den Berliner Philharmonikern, widmete sich die vielfache Preisträgerin bald ausschließlich ihrer Solokarriere, die sie mit den großen Orchestern der Welt durch ganz Europa, nach Nord- und Südamerika, nach Australien und Asien führte.


Aus dem Programmheft der 4. Matinée 2015/16:

Auf den Leib geschnitten …

Die Auftragssituation eines Komponisten im 18. Jahrhundert und die daraus resultierenden Zusammenhänge zwischen den spieltechnischen Fähigkeiten des Auftraggebers und der kompositorischen Ausgestaltung des jeweiligen Werkes lassen sich besonders deutlich an Mozarts Bläserkonzerten aufzeigen: Sie entstanden alle für bestimmte Instrumentalisten, die ein Werk für „ihr“ Instrument bestellt hatten. Ob es sich dabei um Berufsmusiker (wie beispielsweise bei den Hornkonzerten oder dem Klarinettenkonzert), oder aber, wie etwa bei den Flötenkonzerten, um musizierende Adlige („Dilettanten“) handelte, die Werke spiegeln immer die besonderen Präferenzen und Fertigkeiten des Spielers und die instrumententechnischen Möglichkeiten der Zeit wider, in der sie entstanden sind. Ach wenn wir nur auch Clarinetti hätten! – sie glauben nicht was eine sinfonie mit flauten, oboen und clarinetten einen herrlichen Effect macht. – So schwärmt Mozart im Dezember 1778 seinem Vater aus Mannheim vor. Die Klarinette war ein im 18. Jahrhundert relativ neues Instrument, das damals in den kleineren Hoforchestern, wie beispielsweise in Salzburg, noch nicht besetzt war.

… das Klarinttenkonzert A-Dur

Mozart, der die Klarinette mit ihrem weichen und einfühlsamen Klang sehr liebte, komponierte neben einigen Kammermusikwerken mit Klarinette auch ein Konzert für Klarinette und Orchester in A-Dur. Er trug das Werk ohne genaue Datierung in sein eigenhändiges Werkverzeichnis als Ein konzert für die Clarinette. für Hr: Stadler den Ältern. begleitung. 2 violin, viole, 2 flauti, 2 fagotti, 2 Corni e Baßi ein. Vollendet wurde das Konzert vermutlich im Oktober 1791, also wenige Wochen vor Mozarts Tod. Auch hier hängt die Entstehung eng mit einem Instrumentalisten zusammen, mit Anton Paul Stadler nämlich, der wie sein jüngerer Bruder Johann Nepomuk Franz seit 1781 Mitglied der Wiener Hofkapelle war. Mozart hatte für ihn bereits 1786 das sogenannte „Kegelstatt-Trio“ und drei Jahre später das Klarinettenquintett A-Dur KV 581 komponiert. In einem Konzertbericht aus der damaligen Zeit heißt es über Stadler: Sollst meinen Dank haben, braver Virtuos! was du mit deinem Instrument beginnst, das hört’ ich noch nie. Hätt’s nicht gedacht, daß ein Klarinet menschliche Stimme so täuschend nachahmen könnte, als du sie nachahmst. Hat doch dein Instrument einen Ton so weich, so lieblich, daß ihm niemand widerstehn kann, der ein Herz hat. Stadler spielte ein besonderes Instrument, das von der Forschung später als „Bassettklarinette“ bezeichnet wurde. Der Tonumfang reichte im Unterschied zur sonst üblichen „normalen“ Klarinette in der Tiefe bis zum c und umfasste damit fast vier Oktaven.

„Süß und hinschmachtend“

Mozarts Klarinettenkonzert – es handelt sich um sein letztes Instrumentalwerk überhaupt – stellt zweifellos einen Höhepunkt in der Geschichte des Bläserkonzerts dar. Mozart hält sich streng an die traditionelle Dreisätzigkeit mit einem schnellen Kopfsatz, einem langsamen Mittelsatz und einem Rondo als Abschluss. Seinen Reiz bezieht das Werk aus dem weichen, charakteristischen Klang der Klarinette, über die Christian Friedrich Daniel Schubart in seinen 1806 erschienenen Ideen zu einer Ästhetik der Tonkunst schreibt: Der Ton ist so süß, so hinschmachtend, und wer die Mitteltinten darauf auszudrücken vermag, darf seines Sieges über die Herzen gewiß sein. Anders als in den großen Klavierkonzerten verzichtet Mozart im Klarinettenkonzert nahezu völlig auf die solistische Beteiligung der anderen Bläser. Die Soloklarinette wird über weite Strecken ausschließlich von den Streichern begleitet, Flöten, Fagotte und Hörner treten nur in den Tutti-Abschnitten hinzu. Der Solopart selbst ist überaus virtuos gehalten (daher fehlt wohl auch die sonst übliche Solo-Kadenz) und lässt die unbestreitbare Meisterschaft Anton Stadlers, des wohl bedeutendsten Klarinettisten der Mozart-Zeit, erkennen.

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